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Die Auswahl an Auslandsaktien, die Privatanlegern in Deutschland angeboten wird, lässt sich sehen. Allein an Deutschlands größter Börse, der Frankfurter Wertpapierbörse, werden Aktien aus 80 Ländern gehandelt. Ein Blick auf die Webseite der Börse Frankfurt zeigt: Von Ägypten bis Zypern werden über 13.000 internationale Aktien angeboten. Mit dabei sind Australien mit über 660 und Kanada mit über 1.900 Wertpapieren.

Doch wer macht die Einbeziehung dieser Aktien in den Handel? Was sind die Kriterien? Und wie kann es sein, dass es australische Aktienunternehmen gibt, die in Frankfurt in den Handel einbezogen worden sind – es selbst aber gar nicht wissen? 

Dieser und weiterer spannender Fragen gehen wir in unserer zweiten Folge von Im Fokus nach und sprechen hierzu mit Peter Fricke, Head of Capital Market Sales, an der Deutschen Börse. 

Das Video zur Sendung finden Sie über dem Artikel 

Reger Handel an Auslandsaktien an der Börse Frankfurt  

Als Head of Capital Market Sales ist es Peter Frickes Aufgabe, auf neue Kapitalmarktunternehmen zuzugehen und sie von einem Listing an der Frankfurter Wertpapierbörse zu überzeugen. Er beobachtet seit einigen Jahren einen sehr regen Handel mit ausländischen Wertpapieren an der Börse Frankfurt: 

“In den letzten drei Jahren konnten wir den Anteil ausländischer Wertpapiere von knapp 19 Prozent auf jetzt über 23 Prozent steigern”, so Fricke. 

Mit dazu beigetragen hat dabei auch das Interesse australischer und kanadischer Aktienunternehmen, in den Handel miteinbezogen zu werden. 

“Das Interesse aus diesen beiden Märkten ist weiterhin sehr hoch. Sie erhoffen sich natürlich dadurch auch erhöhte Liquidität, die unsere Märkte liefern können. So sind mittlerweile über 660 australische Wertpapiere bei uns gelistet. Allein in diesem Jahr kamen schon 35 neue dazu. Und auch für Kanada sehen die Zahlen sehr gut aus, dort sind über 1.900 Wertpapiere gelistet und allein über 130 neue in diesem Jahr”, erklärt Peter Fricke. 

Bei dem Listing ausländischer Emittenten an der Börse Frankfurt handelt es sich um ein sogenanntes Dual Listing, auch Zweitlisting genannt. So sind die rund 660 australischen Aktienunternehmen zum Beispiel sowohl an ihrer Heimatbörse in Sydney als auch an der FWB handelbar. 

Doch wie genau erfolgt das Dual Listing? Was sind die Kriterien, um in Frankfurt aufgenommen zu werden? 

Die folgende Grafik zeigt: Die Börse Frankfurt bietet internationalen Emittenten zwei Märkte an. Zum einem den Regulierten Markt und zum anderen den Open Market, auch Freiverkehr genannt.  

Ausländische Emittenten bevorzugen Open Market 

Die Zahlen der einbezogenen australischen und kanadischen Wertpapiere in den Handel zeigen ganz klar, dass die Unternehmen den Open Market bevorzugen. Wieso ist das so? Und was ist genau der Unterschied zwischen diesen beiden Segmenten? 

“Der regulierte Markt ist sozusagen das Segment, das von der EU reguliert wird und der Open Market ist ein Segment, das von der Deutschen Börse mitreguliert wird. Die Unternehmen, die ein Primärlisting an der Frankfurter Wertpapierbörse suchen, die sind normalerweise im regulierten Markt zu finden oder in einem speziellen Segment des Open Markets, sogenanntes Scale. Für die Unternehmen, die lediglich zum Handel einbezogen werden möchten, also keine eigenen Kapitalmaßnahmen vielleicht an der Frankfurter Wertpapierbörse durchführen wollen, aber dennoch von der Liquidität profitieren, die finden wir im Open Market und dort im Quotation Board”, erläutert Fricke. 

Spezialisten führen Einbeziehung durch 

Und wie funktioniert die Einbeziehung der Auslandsaktien in den Handel, wer führt diese durch? 

“Das ist sehr interessant, denn diese Einbeziehung der Wertpapiere erfolgt nicht durch den Emittenten selbst, sondern ausschließlich durch den Einbeziehungsantrag, der durch sogenannte Spezialisten gestellt wird”, erklärt Peter Fricke.  

“An der Frankfurter Wertpapierbörse haben wir aktuell 10 Spezialisten, das sind alles Wertpapierhandelsbanken und -häuser, die sich für ihre Spezialisten-Tätigkeiten zusichern, dass sie die Aktien am Primärmarkt auch entsprechend kaufen können und stellen sie somit auch den Privatanlegern in Deutschland zur Verfügung.” 

Die Einbeziehung in den Handel kann laut Fricke sehr schnell erfolgen, da die Anträge über ein vollautomatisiertes Tool eingereicht werden. Bei Vorlage aller Einbeziehungs-Voraussetzungen kann die Zulassung bereits zum nächsten Tag vollzogen werden. 

Australische Emittenten in Börsenhandel einbezogen – ohne Kenntnis darüber

An Australiens größter Börse, der ASX in Sydney, sind aktuell über 2.100 Aktienunternehmen gelistet – 669 davon sind aktuell an der Börse Frankfurt handelbar.  

Wie treffen die Spezialisten ihre Auswahl, was sind die Kriterien? Das Haupt-Auswahlkriterium, so Fricke, sei das Interesse der hiesigen privaten und institutionellen Anlegern. “Wenn ein Wert sehr interessant ist, aufgrund seiner Equity Story, seiner Performance, dann überlegt sich der Spezialist, diesen Wert hier in Frankfurt in den Handel einzubeziehen.” 

Nun gibt es aber auch australische Aktienunternehmen, deren Wertpapiere in den Handel in Frankfurt einbezogen wurden, sie aber selbst davon nichts wissen – wie kann das sein? 

“Das ist der Tatsache geschuldet, dass der Antrag auf Einbeziehung durch den Spezialisten erfolgt und keine vertragliche Beziehung zwischen der Frankfurter Wertpapierbörse und diesen Emittenten existiert”, erklärt Fricke.

Doch ist es nicht auch im Interesse von australischen Aktienunternehmen, zu erfahren, wieso sie plötzlich vermehrt deutsche Anleger haben könnten?  

“Sicherlich, für die Emittenten gibt es zwei Möglichkeiten, auch das nachzuvollziehen, einmal auf der Börse Frankfurt aber auch auf der Kassamarkt-Webseite der Deutschen Börse. Ich glaube, in vielen Fällen ist es auch so, dass der Spezialist sehr wohl eine vertragliche Beziehung mit dem Emittenten hat, um dort eine gewisse Liquidität und Expansion in andere Märkte sicherzustellen.”  

Für den Privatanleger ist es sicherlich wichtig zu wissen, ob es einen Unterschied gibt, eine Auslandsaktie in Deutschland oder an der ausländischen Heimatbörse zu kaufen.  

“Ich würde sagen, vom ‘Look and Feel’: nein. Wenn man das über seinen normalen Broker- und Bankingaccount handeln kann, in den gewohnten Eingabemasken, die man auch für die Heimataktien kennt. Vielleicht könnte ein Unterschied sein, dass natürlich die Liquidität gerade in den großen Werten vermutlich im Heimatmarkt doch immer noch etwas größer ist. Auf der anderen Seite bietet es eben die Möglichkeit, diese Auslandsaktien auch hier an der FWB zu handeln, auch auf die Handelszeiten zurückzugreifen, die natürlich auch vielleicht von den Heimatmarkt-Handelszeiten abweichen können, und man da auch nachbörslich auf Events und News reagieren kann.”  

Das Interview mit Peter Fricke führte Sindi Montero.

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